gesundheitsinfos  GESUNDHEITSINFOS - HPV-VAKZINE

< zurück

In den Medien ist zunehmend von humanen Papillomviren (HPV; siehe Bild) als Auslöser bösartiger Tumorerkrankungen die Rede. Tatsächlich können einige dieser zumeist harmlosen Warzenviren den Prozess der Tumorentstehung unter bestimmten Bedingungen begünstigen. Auch wenn fast 80 Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens mit den häufigeren der heute bekannten humanen Papillomviren (Human Papillomavirus) infiziert werden, so hat eine Infektion in der Regel kaum Auswirkungen auf die Gesundheit. Nur vereinzelt ist das Risiko erhöht, an Krebs zu erkranken. In über 80 Prozent aller Fälle von HPV-Infektionen siegt das Immunsystem über den Fremdling - das Virus verschwindet unbemerkt von selbst wieder.

HPV-Virus

In Deutschland treten pro Jahr 6500 neue Fälle von Gebärmutterhalskrebs auf, etwa 2500 Frauen sterben daran. Die Dimension des Problems wird deutlich an den bei der Vorsorge entdeckten drei Vorstufen des Krebses: An den ersten beiden Vorstufen erkranken jedes Jahr etwa 400 000, an der gefährlichsten dritten 100.000 Frauen. Rund 500.000 Frauen müssen also belastende Untersuchungen, viele Ängste und oft Eingriffe durchstehen, die künftige Schwangerschaften und Entbindungen belasten können. All dies wäre vermutlich durch eine Impfung vermeidbar. Wir könnten möglicherweise künftig die Krankheit ausrotten wie die Pocken und die Kinderlähmung. In den armem Ländern Asiens und Afrikas ist das Problem noch bedeutsamer: 83% aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs weltweit treten dort auf.

Nur Hochrisikotypen sind an der Entstehung von Krebs beteiligt.

Überhaupt können nur bestimmte Untertypen der humanpathogenen Papillomviren, die so genannten Hochrisikotypen, nach heutigem Kenntnisstand die Entstehung von Krebs begünstigen. Da nur wenige HPV-infizierte Menschen an Krebs erkranken, müssen zudem weitere Risikofaktoren zur Krebsentstehung beitragen. Darüberhinaus muss das Virus über Jahre im Körper "persistieren", sich also dauerhaft in den Zellen eingenistet haben, damit eine Krebsvorstufe entstehen kann. Dies geschieht lediglich bei einem Fünftel der HPV-Infizierten.

Infektionen mit einer anderen HPV-Untergruppe, den so genannten Niedrigrisikotypen sind meistens harmlos. Sie führen in der Regel nur zu lästigen Warzen im Genitalbereich und am After, die als Papillome bezeichnet werden.

Was erhöht das Risiko für Gebärmutterhalskrebs?

Vor allem der frühe Beginn der sexuellen Aktivität, ungeschützter Geschlechtsverkehr und häufiger Partnerwechsel erhöhen rein statistisch die Wahrscheinlichkeit einer HPV-Infektion, ohne daß die Zusammenhänge in allen Details bekannt sind. Niemals führt jedoch die Virusinfektion alleine zu Krebs - auch nicht zu Gebärmutterhalskrebs, bei dem es heutzutage als gesichert gilt, daß eine HPV-Infektion zwar die Hauptursache ist, aber weitere Auslöser hinzu kommen müssen.

Aus Studien sind folgende so genannte Kofaktoren bekannt:

  • Rauchen
  • Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln ("Pille") länger als fünf Jahre
  • Das Kauen von Bethel-Nüssen kann zu Mundhöhlenkrebs führen
  • Geschwächtes Immunsystem, beispielsweise bei einer HIV-Infektion oder bei Einnahme von immunsupprimierenden Medikamenten nach einer Transplantation
  • Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Erregern, wie Herpes simplex oder Chlamydien
  • Mehr als drei Geburten

Genetische und familiäre Faktoren scheinen eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Auch der Einfluss der Ernährung konnte bisher noch nicht eindeutig nachgewiesen werden

Wie kann man sich anstecken?

Die Übertragung der für die Krebsentstehung am bedeutsamsten humanen Papillomaviren erfolgt hauptsächlich über sexuellen Kontakt, meist durch kleinste Verletzungen in der Schleimhaut. Da diese Virustypen weit verbreitet sind hat fast jeder sexuell aktive Mensch im Laufe seines Lebens eine HPV-Infektion durchgemacht.

Die Ansteckung erfolgt über Haut- oder Schleimhautkontakte, also beispielsweise über Vagina, After, Schamlippen oder Penis. Ein Kondom ist daher ein guter, aber kein absoluter Schutz vor einer Infektion. Bisher konnten keine Erreger in Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma oder Muttermilch nachgewiesen werden. Nur in Ausnahmefällen kann eine infizierte Mutter während der Geburt die Viren auf ihr Neugeborenes übertragen. Hier ist die Gefahr jedoch gering, dass das Kind Genitalwarzen (Kondylome) oder eine Larynxpapillomatose entwickelt, die durch das Auftreten von gutartigen Tumoren in den Atemwegen gekennzeichnet ist. Ein Kaiserschnitt kann das Risiko einer Ansteckung nicht senken und ist nur bei einer Verengung des Geburtsweges durch Genitalwarzen erforderlich laut der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Einige Papillomvirustypen können zu Hand- und Fußwarzen führen und werden durch Berührung weitergegeben. Aufgrund der Eigenschaft der unterschiedlichen HPV-Typen, nur auf ein bestimmtes Gewebe beschränkt zu sein, können Hand- und Fußwarzen aber nicht zu Genitalwarzen oder Gebärmutterhalskrebs führen oder umgekehrt

Bis heute sind über 120 verschiedene Untertypen der humanen Papillomviren näher charakterisiert, die sich alle in ihrer Erbinformation leicht unterscheiden. Ungefähr 40 Typen befallen hauptsächlich den Anogenitalbereich, also die Geschlechtsteile und den After. In der Regel führt hier eine HPV-Infektion zu Genitalwarzen. Diese Wucherungen der Schleimhaut sind zwar unangenehm und lästig, aber dennoch überwiegend gutartig. Hierfür sind meist die so genannten Niedrigrisikotypen verantwortlich.

Die Fähigkeit, bei einer chronischen Infektion an der Entstehung verschiedener Krebserkrankungen beteiligt zu sein, besitzen dagegen nur die Hochrisikotypen. Sie führen vor allem zu Tumorerkrankungen der Geschlechtsorgane und des Afters, in einigen seltenen Fällen aber auch des Kopf- und Halsbereichs. Die häufigste ist jedoch Gebärmutterhalskrebs.

Gibt es inzwischen eine Impfung?

Ja. Im September 2006 wurde in der Europäischen Union der erste Impfstoff gegen humane Papillomviren zugelassen. Seit Oktober 2006 ist Gardasil® , so der Handelsname des HPV-Impfstoffes, auch in Deutschland erhältlich. In einigen EU-Ländern wird Gardasil® auch unter dem Markennamen Silgard® verfügbar sein. Gardasil® wurde bisher an erwachsenen Frauen im Alter von 16 bis 26 Jahren und 9 bis15-jährigen Kindern und Jugendlichen erprobt. Geimpft werden sollen zunächst Mädchen und junge Frauen im Alter von 9 bis 26 Jahren.

Derzeit liegt noch keine Empfehlung der Ständigen Impfkommsion (STIKO) des Robert Koch Instituts Berlin (www.rki.de) vor. Deshalb ist die Kostenübernahme des Impfstoffes durch die Krankenkassen bisher noch nicht geklärt ist. Interessierte müssen die Kosten für die Impfung vorerst selbst tragen.

Ein Beurteilungsbericht der europäischen Arzneimittel-Agentur EMEA (European Agency for the Evaluation of Medicinal Products) zur neuen HPV-Impfung ist im Internet abrufbar unter www.emea.eu.int/humandocs/Humans/EPAR/gardasil/gardasil.htm (unter European Public Assessment Report deutsche Sprache DE anklicken). Für einen weiteren Impfstoff hat dessen Herstellerfirma ebenfalls einen Zulassungsantrag eingereicht, er soll voraussichtlich 2008 unter dem Namen Cervarix® auf den Markt kommen.

Sowohl Gardasil® als auch Cervarix® haben sich in klinischen Studien als wirksam erwiesen: Sie schützen in erster Linie vor der Infektion mit den beiden häufigsten Hochrisikotypen HPV16 und 18 und beugen damit der Entstehung des Zervixkarzinoms und dessen Krebsvorstufen vor. Gardasil® ist zusätzlich gegen die beiden Niedrigrisikotypen HPV6 und 11 gerichtet, die zwar nicht zu Krebs, aber zu lästigen Genitalwarzen führen können.