GESUNDHEITSINFOS - IMPFEMPFEHLUNGEN DER STIKO< zurück
Zunächst werden sie sich fragen: Wer oder was ist die STIKO? Die Ständige ImpfKOmission am Robert-Koch-Institut in Berlin. In dieser Gruppe sind renommierte Ärzte verschiedener Fachrichtungen verteten, die gemeinsam die Datenlage zu Infektionen regelmäßig beobachten und über die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von Impfungen entscheiden. Die Impfempfehlungen sind letztlich zwar Ländersache, in aller Regel übernehmen die Bundesländer jedoch die Empfehlungen der STIKO unverändert.
Die letzte Änderung der Impfempfehlungen resultiert vom August 2005. Diese können Sie hier im gesamten Wortlaut abrufen:
Impfempfehlungen der STIKO (pdf).
In den Vorbemerkungen hält die STIKO fest: Für einen ausreichenden Impfschutz der von ihm betreuten Personen zu sorgen, ist eine wichtige Aufgabe des Artztes. Dies bedeutet, die Grundimmunisierung bei Säuglingen und Kleinkinern frühzeitig zu beginnen, ohne Verzögerungen durchzuführen und zeitgereicht abzuschließen. Nach der Grundimmunisierung ist bist zum Lebensende ggf. durch regelmäßige Auffrischimpfungen sicherzustellen, dass der notwendige Impfschutz erhalten bleibt und - wenn indiziert - ein Impfschutz gegen weitere Infektionskrankheiten aufgebaut wird. Artzbesuche von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sollten dazu genutzt werden, die Impfdokumentation zu überprüfen und im gegebenen Fall den Impfschutz zu vervollständigen.
Nach jahrelangen Diskussionen wird nun auch in Deutschland eine generelle Impfung gegen die Windpocken (Varizellen) eingeführt. Mit 750.000 Erkrankungen pro Jahr sind die Varizellen die häufigste Krankheit in Deutschland, die mit einer Impfung verhindert werden kann. Damit hat man sich den USAangeschlossen, die mit der Impfung seit 1995 gute Erfahrungen machten. Entgegen der weitläufigen Meinung sind die Windpocken in Einzelfällen auch mit schweren Komplikationen verbunden (in ca. 6% aller Erkrankungen). Diese sind im Wesentlichen Mittelohrentzündungen (gut behandelbar), jedoch auch Lungenentzündungen und Hirnhautentzündungen. In den Jahren 1996 bis 2000 traten pro Jahr vier Todesfälle, im Jahr 2001 gar zehn Todesfälle auf. Wenn man bedenkt, dass die FSME (Viruserkrankung nach Zeckenbiss) im Jahre 2003 keinen Todesfall verursachte, dann wird verständlich, wei wenig harmlos sogenannte Kinderkrankheiten manchmal verlaufen können.
Die Erfahrungen aus den USA zeigen, dass es bislang nicht zu einer Verschiebung der Krankheiten ins höhere Alter kommt. Die Erkrankungen an Windpocken gingen rasant zurück und es deutet sich die Tendenz an, dass auch die Gürtelrose (herpes zoster) nach Impfung seltener auftritt.
Mit nur einer Impfung ab dem vollendeten 13. Lebensmonat erreicht man eine Schutzrate von 97%. Wie bisher benötigen Jugendliche, die noch nicht erkrankt sind 2 Impfungen, um diese Schutzrate zu erreichen.
Die Finanzierung dieser Impfung durch die Kassen ist noch unklar. Insofern ist sie zwar offiziell empfohlen, kann aber in den nächsten Wochen nur als private Leistung verimpft werden. Dies gilt nicht für Jugendliche: Die zweimalige Impfung der Jugendlichen wird von den Kassen getragen.
Die Impfung gegen Hepatitis A und B wird in Südwürttemberg durch alle Kassen vergütet. Damit sind wir deutschlandweit die Ausnahme. Insofern spielt es für unsere Region keine Rolle, dass die Gruppe derer, die in den Genuss dieser Impfung kommen, größer gefasst wurde.
Für die Influenza (Grippe) und die Pneumokokken wurde präzisiert, dass diese Impfungen bei 'Asthma und COPD' empfohlen werden. Man kann -auch fachlich- über diese Eingrenzungen durchaus streiten, haben doch bei den schweren Epidemien vornehmlich immunologisch gesunde Menschen besonders Schaden genommen. Aber auch die STIKO spiegelt verschiedene Interessen wieder und muss sich mit den finanziellen Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Es wird auch von STIKO-Mitgliedern immer wieder angemerkt, dass man im Einzelfall auch sehr großzügig handeln kann. Wenn Sie also eine Influenza-Impfung wollen, wird dies nach einer Einzelfallbewertung weiterhin meist möglich sein.
Trotz der lange eingeführten Impfung kam es auch im letzten Jahr noch zu 784 Erkrankungen an Keuchhusen (Pertussis) im Säuglingsalter. Das liegt darin begründet, dass die erste und zweite Impfung meist nicht zu einem vollständigen Schutz führt und viele Säuglinge -bedingt durch Infekte und anderes- ihren Impfschutz erst kurz vor dem ersten Geburtstag erreichen. Selbst bei idealen Impfabständen ist ein Schutz nicht vor dem fünften Lebensmonat zu sichern.
Daraus hat man nun die Empfehlung abgeleitet, dass alle Personen eines Haushaltes vor der Geburt eines Kindes gegen Pertussis geimpft werden sollten, um den Keuchhusten in dem Alter zu vermeiden, in dem er die höchsten Risiken (auch mit Todesfolge!) hat.
Unter der FSME wird ausdrücklich vermerkt, dass zwei neue Risikogebiete hinzukamen: 'und in Baden-Württemberg der Kreis Sigmaringen'.
Nachfolgend das aktuelle offizielle Impfschema (Juli 2004):
