GESUNDHEITSINFOS - VORHAUTVERENGUNG< zurück
Ein Dauerthema seit Jahrzehnten ist die Vorhautverengung, die Phimose, wie wir Ärzte sagen.
Zwischen der 8. und 16. Woche der Embryonalentwicklung schiebt sich eine Haut über die Eichel des Penis (glans penis), die sich in der Spitze vereint. Das ist der Beginn der Abdeckung der Eichel durch die Vorhaut. Sie tritt bei praktisch allen Jungen als normales Phänomen auf. Zu einer Verengung kann es kommen, wenn entweder die Eichel in Bezug auf die Vorhautabdeckung sehr groß ist oder die Vorhaut mit der Eichel verklebt und die Rückbildung der Vorhaut behindert wird.
Das eigentliche Problem der Phimose tritt auf, wenn also die Rückbildung der Vorhaut in irgendeiner Weise gestört wird.
Das ist der Knackpunkt, über den Mediziner schon lange diskutieren und bis heute zum Teil unterschiedlicher Auffassung sind. Klar ist, dass die Rückbildung der Vorhaut teilweise schon vor der Geburt beginnt. Bis zum Alter von drei Jahren hat sich die Vorhaut in 90% der Fälle bereits ausrechend zurückgebildet. Im Alter von etwa 13 Jahren liegt diese Quote bei 99% (laut Untersuchungen aus Dänemark: Ster). Erst ann kann man von einer echten Phimose sprechen. 'Was mit sieben Monaten wie eine nadelförmige Öffnung aussieht wird mit dem 17. Lebensjahr ein weiterer Kommunikations-Kanal sein' (Ster). Bis zur Pubertät besteht in der Regel also keine Eile, da die Vorhaut den Eingang der Harnröhre vor Infektionen (wie bei der Windeldermatitis) schützt.
Wie angedeutet, gibt es da leicht unterschiedliche Interpretationen. Die neue Lehrmeinung gibt folgende Anhaltspunkte, wobei eine ärztliche Untersuchung zur Einschätzung unumgänglich ist:
- mehrfache Vorhautentzündung nach dem Windelalter
- narbige Phimose (oft ausgelöst durch aktives Zurückziehen der Vorhaut - was zu unterlassen ist!!)
- beim Lichen sclerosus et atrophicus (eher seltene Erkrankung der Vorhaut bzw. bei Mädchen der Vulva)
- Blasenentleerungsstörungen mit Ballonierung der Vorhaut beim Pinkeln
- Religiöse / traditionelle Gründe
Im Einzelfall sollte der Penis immer untersucht werden. Auch eine 'Einengung' ist immer relativ, je nachdem wie groß der Penis bzw. wie alt der Junge ist. Bei jeder Vorsorge schauen wir die Genitalien an. Ganz besonders wichtig ist hier natürlich die J1 (Jugendgesundheitsberatung) bzw. U10 in der Pubertät, bei der letztlich die Entscheidung zur Operation fallen sollte.