tips  TIPS - HUSTEN

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Das Thema ist vielleicht nicht mehr ganz so aktuell wie vor einigen Wochen. Aber es ist von grundsätzlicher Bedeutung und soll deswegen hier behandelt werden. Husten. Zunächst ist er einmal ärgerlich. Aber ist der das wirklich? Was soll eigentlich Husten und wie soll ich damit umgehen?

Beim Husten arbeiten alle Muskelgruppen des Brustkorbes zusammen und stossen Luft wie bei einer Vulkanexplosion aus der Lunge. Dieser heftige Vorgang kann durch den eigenen Willen ausgelöst werden oder durch den Hustenreflex. Damit erreicht der Körper, dass ungewollte Substanzen (vermehrter Schleim, Schmutzpartikel oder gar Fremdkörper) aus der Lunge wieder entfernt werden. Husten kann also bei ganz unterscheidlichen Zuständen auftreten und ist immer nur ein Symptom. Und dieses Symptom macht meistens Sinn (z.B. bei der Bronchitis), kann aber gelegentlich auch sehr lästig sein ohne dem Körper viel weiterzuhelfen.

Welche Ursachen hat Husten bei Kindern?

Die häufigste ist der Racheninfekt (Nasopharyngitis). Hierbei besteht eine Entzündung des Nasen-Rachenraumes. Die Schleimhäute sind gereizt und dadurch gerötet und sie produzieren das was sie können: Schleim. Der läuft entsprechend der Schwerkraft aus dem hinteren Nasenteil (den vorderen Anteil versenken die Menschen gerne im Taschentuch) über die Rachenhinterwand gen Kehlkopfregion. Nun möchte die Lunge - für die der Kehlkopf den Eingang darstellt - nur Luft zum Gasaustausch aufnehmen und keine weiteren Körpersekrete. Also wird durch die Schleimstrasse an der Rachenhinterwand ein Husten ausgelöst, der den Schleim wieder nach oben schleudert. Meistens folgt dem Husten (zumindest bei Kindern) ein Schluckreflex, durch den der angesammelte Schleim dann in den Magen transportiert wird, wo er in der Auseinandersetzung mit der Magensäure chancenlos ist und in seine Einzelteil zerlegt wird.

Eine seltenere Ursache ist die Laryngitis, die öfter bei Jugendlichen als bei Kindern beobachtet wird. Hierbei ist die Rachenregion unterhalb der Zungenebene entzündet, aber eher trocken. Dabei kommt es zu einem manchmal unangenehmen Reizhusten, ohne dass Schleim bewegt würde.

Im Kindesalter weisst der Infektkrupp einen sehr eindrücklichen Husten auf. Die Entzündung liegt eine Stufe tiefer als bei der Laryngitis: Im Kehlkopfbereich bzw. im oberen Luftröhrenbereich. Auch hier überwiegt ein sehr trockener Husten mit einem typisch bellenden Charakter. Dieser Husten ist sehr laut und erinnert an das Bellen eines Hundes. Meist ist er sehr schmerzhaft, so dass Kinder von sich aus sich so verhalten, dass sie möglichst wenig Husten müssen.

Unterhalb der Kehlkopfregion schliesst sich die Luftröhre an. Entzündungen in diesem Bereich nennen wir Tracheitis. Sie sind tendenziell eher bei Jugendlichen zu beobachten. Dabei beginnt die Erkrankung meist mit einem sehr quälenden trockenen Husten, der zunehmend "feuchter" wird aber immer subjektiv sehr unangenehm ist. Hierbei gibt es gelegentlich schwere Verläufe durch grössere Schleimbeläge, die schwer abhustbar sind.

Die Bronchitis ist etwas was jeder schon erlebt hat. Das Bronchialssystem ist entzündet und nach einer kurzen Phase trockenen Hustens ist immer eine Verschleimung zu finden.

Die Bronchitis, also die Entzündung der Bronchialschleimhaut, geht in einigen Fällen in das umgebende Gewebe über. Das nennt man dann eine Bronchopneumonie, im Deutschen übersetzt mit Lungenentzündung. Diese ist für Kinder- und Jugendliche eigentlich nicht gar so schlimm, sondern eher als eine schwere Bronchitis zu verstehen, die natürlich gut und konsequent behandelt werden muss.

Eine schlimme Erkrankung ist die Lobärpneumonie. Dabei tritt die Lungenentzündung in einen Teilbereich oder in einem ganzen Lungenlappen auf. Das ist eine sehr gefährliche und schwere Erkrankung. Auch diese nennt sich im Deutschen Lungenentzündung, sie ist jedoch um ein vielfaches schwerwiegender als die Bronchopneumonie. In aller Regel ist hier eine stationäre Behandlung und intensive Therapie über viele Wochen erforderlich, um Komplikationen zu vermeiden.

Das Asthma bronchiale ist eine chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut mit verstärkter Produktion von besonders zähem Schleim.

Es gibt noch viele weitere Ursachen für Husten: der Fremdkörper, die Reizung der Bronchien durch giftige Gase (Zigarettenrauch u.a.), Die Reizung der Bronchien durch kleinste Teilchen (z.B. nach Arbeiten mit Glaswolle), der neurotische Husten (als Verlegenheitshusten), die Mucoviscidose, die allergische Alveolitis ...... Die Liste der Erkrankungen mit Husten ist sehr lang und schließt auch viele Erkrankungen mit ein, die - wie die Refluxkrankheit des Magens- urprünglich mit den Atemwegen nicht zu tun haben.

Wichtigste Konsequenz: Husten ist nicht gleich Husten. Husten muß erst als Symptom einer bestimmten Krankheit verstanden werden, bevor eine Behandlung eingeleitet werden kann (sofern so etwas überhaupt sinnvoll ist). Und bis zum Beweiß des Gegenteils ist Husten erst einmal sinnvoll.

Also Hustensaft? Was ist das eigentlich?

Wenn man ehrlich ist, ist Hustensaft ein Beruhigungsmittel für die Eltern. Das klingt brutal. Eltern machen sich Sorgen, sie leiden mit ihrem hustenden Kind mit und wollen ihm helfen. Also bietet die Industrie Ihnen was Sie möchten. Das Problem ist nur, alle diese Säfte wie der bekannte Mucosolvan-Saft, helfen eigentlich nicht (zumindest hat bis heute niemand bewiessen, dass Mucosolvan bei den genannten Erkrankungen etwas entscheidend verändern würde). Und die anderen Säfte (wie Codipront) senken zwar den Hustenreiz. Aber ist das sinnvoll? Wenn meine Bronchien im Rahmen einer Entzündung vermehrt Schleim produzieren, dann muss der wegtransportiert werden. Das nennt man Husten. Wenn man den Husten unterdrückt, bleibt Schleim liegen mit dem Risiko, dass sich die Entzündung bis hin zur Lungenentzündung weiter ausbreitet.

Was können Sie als Eltern also tun?

  1. Sie können Ihr Kind immer trösten, ihm beistehen, ihm Mut machen
  2. Mit Brustwickeln können sie den quälenden Husten lindern
  3. mit guter Luft (kein Zigarettenrauch, oft Lüften) können Sie den Reiz für die Bronchien mindern
  4. wenn Ihr Kind gerne trinkt wird darüber der Schleim flüssiger und leichter abhustbar
  5. und wenn der Husten schlimmer wird: dann müssen Sie den Arzt aufsuchen, der zu klären hat, wie der Husten zu verstehen ist. Dafür wird er die Lunge abhören, den Rachen sich ansehen und manchmal auch die Nasenschleimhaut

Es hat sich beim Infekthusten leider nichts entscheidendes verändert: mit Medikamenten dauert er 1 Woche, ohne Medikamente 7 Tage!